Wie wende ich die Zettelkasten Methode an?

Informationen und neues Wissen zu erlangen ist im heutigem Zeitalter kinderleicht. Das Internet eröffnet uns unzählige Türen um täglich neues zu lernen. Das Problem dabei: Es ist gar nicht so einfach, diese Informationsflut unter einen Hut zu bekommen und tatsächlich zu behalten. 

Die Zettelkasten Methode regt Sie dazu an, Ihre Gedankengänge und Ihr Wissen miteinander zu verbinden. Die einfachen Schritte erleichtern es Ihnen neue Verbindungen zwischen Ideen zu schaffen und dadurch Ihr Wissen und Ihre Leistung zu steigern. 

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, was die Zettelkasten Methode ist und wie Sie dieses Prinzip selbst umsetzen können.

Niklas Luhmanns Zettelkasten Methode: Herkunft und Definition

Wissensmanagement

Bevor wir genauer auf die Zettelkasten Methode eingehen, werfen wir zunächst einen Blick auf Wissensmanagement. Unter Wissensmanagement versteht man das: 

  • Erstellen 
  • Teilen 
  • Nutzen  
  • Und Managen 

von Wissen und Informationen.  

Ein Wissensmanagement-System ist ein System das Sie entwickeln, um Ihre Ideen, Gedanken und Informationen zu strukturieren und an Ihre Denkweise anzupassen.  

Zettelkasten Definition

analoger weißer Zettelkasten mit Karteikarten

Hier kommt der Zettelkasten ins Spiel. Ein Zettelkasten (Auch Kartothek oder Datenbank genannt) ist wie das Wort schon verrät, ein Kasten in dem Zettel aufbewahrt werden.  

Zettelkästen kommen vor allem bei literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten zum Einsatz. Bei der Recherche notieren Forscher beziehungsweise Autoren wichtige Informationen und deren Quellenangabe auf einem Zettel und ordnen sie in die Kästen des Zettelkastens ein. 

Wer ist Niklas Luhmann?

Niklas Luhmann ist der Gründer der Zettelkasten Methode. Durch seine Art Wissen miteinander zu verknüpfen rief er das Zettelkasten Prinzip ins Leben. Der deutsche Soziologe hat 70 Bücher und rund 400 wissenschaftliche Artikel geschrieben.  

Als Forscher gehörten Lesen und Wissen aneignen zu seinem Alltag. Wie die meisten Forscher:innen trat er damit vor folgendes Problem: Wie soll ich die neuen Informationen, die täglich dazukommen, mit meinem alten Wissen verknüpfen?  

Aus dieser Frage beziehungsweise diesem Bedürfnis heraus entwickelte er das System, das heute als Zettelkasten Methode bekannt ist. Für ihn stand im Fokus, die Informationen die er liest zu verstehen und Verbindungen zu seinem vorhandenen Wissen aufzubauen.  

Entwicklung der Idee mit analogen Zettelkästen

luhmanns zettelkasten analog aus holz

Luhmann nutze dafür einen Zettelkasten. In seinem Archiv, das wie eine große Kommode mit sehr vielen Schubladen aussieht, legte er seine Informationen auf Zetteln ab. Diese sortierte er nach bestimmten Kategorien. Damit baute er ein sorgfältiges Netzwerk seines Wissens auf, das ihn dabei unterstütze, Informationen abzurufen und effizient neue Ideen zu entwickeln. 

Zettelkasten Methode: So funktioniert sie

Von Zettelkasten zur Zettelkasten Methode

Die simple Nutzung eines Zettelkastens war Vorreiter der Zettelkasten Methode, die ganz ohne ein Möbelstück funktioniert. Denn es geht dabei um die Umsetzung der Strategie hinter der Nutzung eines analogen Zettelkastens. Als eine der effektivsten Wissensmanagement Methoden kann Sie Ihnen dabei helfen Ihr Wissen während der Arbeit (beim Studieren oder Forschen) zu organisieren. 

Was das Zettelkasten Prinzip ausmacht ist, dass dieses System Ihnen nicht nur dabei hilft Wissen einfach abzuspeichern, sondern auch Ihr Gedächtnis und das Abrufen von Wissen verbessert. Verbindungen zwischen Informationen zu knüpfen steigert Ihre Fähigkeit Ihr Gedächtnis abzurufen und Muster zu erkennen.

Wir müssen verstehen wie unser Gedächtnis funktioniert, damit wir besser an unserem Gedächtnis arbeiten können.

Jim Kwik, Gedächtnis-Coach und Autor des Midvalley’s Superbrain Programms

Wie funktioniert die Zettelkasten Methode?

Die Zettelkasten Methode hilft Ihnen dabei, Ihre Gedanken, Ideen und Informationen zu sammeln und zu strukturieren sowie kategorisch abzuspeichern. Mit Hilfe dieser Technik können Sie auf Ihr vorhandenes Wissen aufbauen und ein Wissensarchiv für Dokumente und Informationen erschaffen.  

Das Zettelkasten System ähnelt der Struktur Ihres Gedächtnisses. Deswegen erleichtert das Zettelkasten Prinzip für Sie das Abrufen der Informationen. 

Zettelkasten Methode: Arten von Notizen

Die Zettelkasten Methode umfasst drei Hauptarten von Notizen: 

  1. Literaturnotizen 
  1. Referenznotizen 
  1. Permanente Notizen 

Jede dieser Notizen besitzt eine eigene Funktion. Zusätzlich gibt es noch die Index Notizen und die flüchtigen Notizen.

arten von notizen zettelkasten infografik (literaturnotizen, referenznotizen, permanente notizen)

Literaturnotizen

Während wir lesen, egal ob für die Arbeit oder in unserer Freizeit, finden wir oft Textpassagen, die wir gerne markieren und für später abspeichern würden. Genau für diesen Zweck gibt es Literaturnotizen. Diese Zettel dienen dazu, Kommentare zu bestimmten Passagen festzuhalten. 

Literaturnotizen helfen dabei Kontext aufzubauen und erinnern Sie an die Gedanken, die Sie während des Lesens und Aufschreibens hatten. Im Wesentlichen geht es darum, den Sinn des Texts zusammenzufassen und Ihre Gedanken und wichtigsten Erkenntnisse zu vermerken. 

Es gibt kaum etwas Schlimmeres als Notizen wiederzufinden, die Ihnen nichts über den Grund verraten, wieso bestimmte Informationen so wichtig ist. Deswegen ist es essenziell, direkt qualitative Notizen zu verfassen, um zukünftigen Arbeitsaufwand zu vermeiden. Hier gilt: Viel hilft viel. Lieber ein paar Informationen zu viel als zu wenig. 

Tipp für die Recherche für wissenschaftliche Artikel:

Gewöhnen Sie sich an, Informationen wie Buchtitel, Autor, Kapitel und Seitennummer auf der Notiz festzuhalten. Sollten Sie einmal vergessen, wichtigen Kontext zu Ihrem Zettel hinzuzufügen, können Sie so nochmal nachschlagen und die gewünschte Information leichter wiederfinden. Außerdem ist es deutlich einfacher ein Literaturverzeichnis zu bauen und die genutzten Quellen zu zitieren. 

Referenznotizen

Mit Referenznotizen gruppieren Sie Informationen und kategorisieren diese, beispielsweise mit Tags. Durch diese Gruppierung fällt es Ihnen später leichter Informationen zu finden, die miteinander verknüpft sind. Referenznotizen kommen zum Einsatz, wenn das Thema oder die Idee über die wir schreiben zu einem Überthema gehört oder an andere Informationen anknüpft.  

Tatsächlich nutzen wir dieses System schon auf unterschiedlichste Weise in unserem Alltag. Beispielsweise wenn wir Hashtags (#) auf Social Media nutzen oder wenn wir in wissenschaftlichen Arbeiten die Quellen zu den Informationen hinzufügen. Aber auch, wenn wir in Messengern bestimmte Personen in unserer Nachricht mit “@” taggen. Das zeigt wieso Referenznotizen nützlich sind und wie einfach es ist mit ihrer Hilfe gezielt Informationen miteinander zu verknüpfen. 

Permanente Notizen

Permanente Notizen sind alleinstehende Ideen, die weder Kontext benötigen, noch andere zusätzliche Informationen, sowie Bücher und Videos.  

Permanente Notizen können als Zusammenfassung der neu erforschten Informationen dienen oder um Gedanken aufzuschreiben, die Ihnen in den Kopf schießen während Sie über Informationen nachdenken oder diese analysieren. 

Ziel dabei ist es, Ihre Notizen zu überarbeiten und herauszufinden, wie diese Ihre Interessen und Recherche beeinflussen. Anschließend wählen Sie aus, welche Notizen einen Mehrwert für Ihre vorhandenen Ideen schaffen und verbinden die neuen Erkenntnisse mit Ihrem vorhandenem Wissen, dass Sie in Ihrer Datenbank abgespeichert haben. 

Es existieren noch zwei weitere Arten von Notizen: 

Flüchtige Notizen

Die besten Ideen kommen uns nicht unbedingt während wir gerade Recherche betreiben oder bewusst über etwas nachdenken. Manchmal fliegen sie uns in den unbedeutendsten Situationen zu. Damit diese Ideen nicht verloren gehen, gibt es die flüchtigen Notizen. 

Flüchtige Notizen sind unstrukturierte Notizen die Sie machen, um temporär Ihre Ideen festzuhalten. Diese sollten Sie dann, sobald Sie wieder an Ihrem Projekt arbeiten, in Ihr System einordnen. Flüchtige Notizen sind also vorübergehende Erinnerungen an Ideen. 

Index Notizen

Indexnotizen sind im Prinzip das Inhaltsverzeichnis für den Zettelkasten. Sie werden dazu verwendet zu einem bestimmten Thema die Unterthemen festzuhalten. Bei einem immer größer werdenden Zettelkasten behalten Sie so den Überblick. 

Zettelkasten Prinzip Anleitung: So wenden Sie die Methode in wenigen Schritten an

Das Zettelkasten Prinzip besteht nur aus wenigen Schritten, ist aber in keiner Weise eine Methode die Sie oberflächlich anwenden können. Es geht darum ein Archiv für Ihr Wissen aufzubauen, das sich Ihrer Denkweise anpasst. Der Nutzen dieses Systems hängt letztendlich davon ab, wie viele Informationen Sie sammeln und wie qualitativ diese sind.  

Setzen Sie sich damit auseinander, wie Ihr Gedächtnis funktioniert und welche Struktur für Sie am besten funktioniert. Das muss nicht kompliziert sein, wichtig ist, dass Sie ein einheitliches System nutzen, um Ihren Zettelkasten aufzubauen.  

Sobald Sie sich darüber im Klaren sind, welche Informationen Sie sammeln wollen und wie Sie diese strukturieren können, wenden Sie die folgenden Schritte der Zettelkasten Methode an: 

4 schritte der zettelkasten methode infografik (1. lesen und informationen festhalten, 2. notizen für den zettelkasten umstrukturieren, 3. zettel strukturieren, 4. hinterfragen und überprüfen)

Schritt 1: Lesen und Informationen festhalten

Halten Sie die wichtigsten Informationen der Texte die Sie lesen fest. Vergessen Sie dabei nicht, Ihre Gedanken und Gründe aufzuschreiben, wieso diese Information wichtig ist. Fassen Sie die Informationen in Ihren eigenen Worten zusammen. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass Sie neue Erkenntnisse mit bereits vorhandenem Wissen verknüpfen. 

Schritt 2: Notizen für den Zettelkasten umstrukturieren

Sobald Sie Ihre Gedanken bezüglich der neuen Information festgehalten haben, geht es darum wesentliche Aspekte mit in die Notiz aufzunehmen. Das sind beispielsweise der Name des Autors, die Buchstelle oder auch der Link (URL) zur Information. Es kann manchmal passieren, dass der Zettel sehr lang wird. Dafür kann es hilfreich sein, die wichtigsten Aspekte am Ende nochmal stichwortartig zusammenzufassen.  

Schritt 3: Zettel strukturieren

Das Ziel der Zettelkasten Methode ist es, Verbindungen zwischen Ihrem Wissen aufzubauen. Fügen Sie deswegen in diesem Schritt eine #Kategorie oder eine ID-Nummer zu den Notizen hinzu, um sie mit bereits vorhandenen zu verbinden. Dadurch können Sie in der Zukunft von einer Idee zur Nächsten springen, ohne dafür Ihr gesamtes Archiv durchsuchen zu müssen. 

Es kann passieren, dass Sie so viele verknüpfte Notizen und Informationen in Ihrem Zettelkasten haben, dass Sie trotz der Struktur den Überblick verlieren. Hier kommen die Index-Notizen zum Einsatz. Schreiben Sie in diesen eine Liste der Themen in Ihrem Zettelkasten mit zugehörigen Beschreibungen und Referenznummern auf, damit Sie auf die entsprechenden Informationen einfacher und schneller zugreifen können. 

Um in Sammlungen Struktur zu bringen, kann auch eine Mindmap hilfreich sein. In unserem Artikel Mindmaps effektiv im Unternehmen nutzen erfahren Sie, wie Sie diese ganz einfach erstellen können. 

Schritt 4: Hinterfragen und Überprüfen

Nur weil man mehr Wissen festhält, heißt das nicht automatisch, dass man dieses Wissen auch nutzt. Deswegen sollten Sie regelmäßig die Informationen die Sie analysieren hinterfragen und Ihre eigenen Ideen dazu entwickeln. Machen Sie es zu einer Gewohnheit, durch Ihren Zettelkasten zu gehen und Ihr Gedächtnis anzuregen, indem Sie Muster wiedererkennen und Ideen verknüpfen. 

Zettelkasten Software: Luhmanns Methode im digitalen Zeitalter 

Ein Analoger Zettelkasten im 21. Jahrhundert? Viel zu unpraktisch 

So schön der urige Zettelkasten aus Holz aussehen mag, er ist alles andere als praktisch. Nicht nur, dass dieses Ding viel zu viel Platz wegnehmen würde, analoge Notizen bringen vielerlei Probleme mit sich: 

  • Der Zugriff darauf ist umständlich. Mit großen Zettelkästen ist es unmöglich jederzeit Zugriff auf alle Informationen zu haben.  
  • Es ist zeitaufwändig analoge Zettelwirtschaften zu durchsuchen, egal wie gut sie sortiert sind. 
  • Analoge Notizen kann man nicht mit ein paar Klicks verändern. 
  • Es ist nahezu unmöglich kollaborativ an analogen Zettelkästen zu arbeiten. 

Die Liste an Nachteilen ist endlos. Allen voran natürlich: Analoge Notizen sind anfällig. Ein Glas Wasser auf dem Schreibtisch das umkippt oder ähnliche Unglücke können innerhalb weniger Sekunden viele Stunden Recherche ruinieren.

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Mit einem digitalen Zettelkasten bleibt Ihnen sehr viel Leid erspart. Mit wenig Mühe lassen sich Sicherheitskopien erstellen. Außerdem können Sie dank Cloud Technologie von überall aus auf alle Ihre Informationen zugreifen und mit weiteren Personen an diesen Arbeiten. 

Digitaler Zettelkasten: Software und Apps

Mittlerweile gibt es eine Menge an Anbietern, die eine Zettelkasten App oder Software anbieten. Von diesen sind nicht alle auf Zettelkästen spezialisiert.   

Spezielle Zettelkasten Apps bringen den Vorteil mit sich, dass es mit ihnen in der Regel etwas leichter ist den Zettelkasten aufzubauen. Dafür ist der Vorteil von anderen Produktivitätsapps, die nicht nur auf Zettelkasten spezialisiert sind, dass man in ihnen generell Texte schreiben kann. Später lassen sich Notizen einfach mit Texten verknüpfen. 

Bei der Wahl einer Zettelkasten App kommt es auf Ihre persönlichen Präferenzen an. Am besten machen Sie sich auch hier bewusst, wie ihr Gedächtnis funktioniert und wie Sie Informationen strukturieren möchten. 

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Fazit: Wissen wird dank der Zettelkasten Methode vernetzt

Die Zettelkasten Methode ist ein bewährtes System um Informationen zu strukturieren und Ideen und Gedanken in langfristiges Wissen umzuwandeln. Der schwierigste Teil der Methode ist es, das System aufsetzen, da Sie sich erst einmal darüber bewusst machen müssen, wie Sie Informationen verarbeiten und langfristig behalten. Nach diesem ersten Schritt und mit ein wenig Übung werden Sie jedoch schnell die Vorteile von strukturiertem Wissensmanagement erleben können.  

Ihr Wissen – perfekt organisiert.

Den Zettelkasten aufzubauen kann am Anfang kompliziert sein. Vor allem, wenn Sie das mit herkömmlichen aufgebauten Notizenapps versuchen. Denn die Zettelkasten Methode vernetzt Informationen genau wie unser Gedächtnis. Vernetztes Wissen abbilden: Das ist die Stärke von Hypernotes. Mit Hypernotes können Sie Ihre Notizen sowie alle anderen Wissensinhalte wie Wikis, Dokumentationen, Aufsätze und vieles mehr erstellen. Mit der #-Funktion (# Bi-direktionalen Referenzen) können Sie Seiten leicht miteinander verbinden, da diese automatisch erfasst werden. Erfahren Sie mehr über Hypernotes.


Bildquellen: Jan Antonin Kolar (https://unsplash.com/photos/lRoX0shwjUQ) und Maksym (https://unsplash.com/photos/Q9y3LRuuxmg) from Unsplash 


Jeder hat seine eigene Art Informationen abzuspeichern und miteinander zu verbinden. Wir freuen uns, Ihre Erfahrungen zu lesen! 

 

Annalena und das Zenkit Team